Ich stand auf meiner Leitung

Es sind schon ein paar Jahre her, es war September und etwas Neblig und das schon um die Mittagszeit. Nicht wirklich Spätherbst Wetter, sondern ein Wetter um lieber ins Bett zu gehen, und die Decke über den Kopf zu ziehen.
Die letzten Tage waren nicht wirklich gut verlaufen, ein paar seltsame Gestalten versuchten mich davon zu überzeugen, dass es besser wäre, endlich normal (was immer dieses heißen mag) herum zu laufen. Es muss wohl daran gelegen haben, dass der Mond wieder fast da war, oder waren es andere Gründe? Ich weiß es nicht. Auf jeden fall wollte ich nur mal über die Straße und meinen Tee holen im Bio-Laden.
Mein Rock ist schon etwas auffällig, aber viele kennen mich nicht anders. Und der Rest sagt fast nichts. Ein paar ehemalige größere Schauspieler finden es nicht so toll, wenn ich im Supermarkt, mehr Aufmerksamkeit bekomme, als ihre Wenigkeit. Auch der Grinsebackewendehals gehört zu den nicht wirklich zufriedenen, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. Den Bio-Markt zu erreichen ist nicht schwer, aber an dem Tag wurde ich aus meinem Inneren Gleichgewicht gehauen.
Vor dem Bio-Markt stand ein Typ im Parka mit Jeans und Turnschuhen. So wie sie hier zu Massen in der Gegend herum laufen. „was machst du so?“ und dann redete er gleich weiter “du siehst so aus, als würdest du zum Mittelalterfest gehen.“ Mein sehr Irritiertes Gesicht schien ihn nicht zu stören. „Was machst du so?“ ich hatte etwas meine Reaktion wieder gefunden. „Ich wollte gerade Tee kaufen!“ Ich kam mir etwas fehl am Platz vor. „Nein, für was interessierst du dich?“ „Ich sammle Kräuter und mache Tees und Salben und so daraus!“ Er begann zu grinsen, welches bei mir nur zu normalen Irritationen. „Und sonst?“ „Sonst interessiere ich mich für die Lebensumstände im Mittelalter, die Musik, das Essen und so“.

Selten hatte ich jemanden vor mir gehabt, der Verwirrter gesehen hatte. „Seid ihr mehr, trefft ihr euch irgendwo hier?“ Der Groschen wollte einfach nicht fallen. Ich wies ihm den Weg zu einem Bekannten, der einen kleinen Mittelalter Laden hat, auch wenn er sich mehr mit den Rollenspieler beschäftigt.
Eine alte Frau war plötzlich an meiner Seite und zupfte an meinem Arm. „Für mich ist es so schwer diese Stufen nach oben zu gehen, könnten sie mir 6 Eier holen? Hier haben sie das Geld dafür.“ Ohne etwas zu sagen, holte ich ihr die Eier und gab sie ihr. Danach suchte ich den jungen Mann und sah noch einmal genau hin wo die alte Frau stand. Sie hatte einfach durch ihn durch gegriffen. Für mich war der Mann im Parka real, wieso auch nicht, aber auf der Straße war er nirgendwo zu finden, noch nicht einmal die Zigarette die er hatte fallen gelassen.
Im Kopf war ich diese Situation Unmengen von malen durch und durch gegangen. Jetzt machten dieses Grinsen ein Sinn, aber warum hatte er nichts gesagt? Sonst bekommt man langweilige Geschichte zu hören, oder wie sie gestorben sind. Aber das? Ich hatte ihn nie wieder gesehen, auch wenn das nichts zu sagen hat. Immerhin ist das Zeitempfinden doch ein anderes. Was es nun wirklich gewesen war, ich kann es nicht sagen, denn so war mir noch kein Toter entgegen getreten, aber gelebt hatte er auch nicht, wenigstens nicht nach unseren Maßstäben. Vielleicht wird sich dieses Geheimnis irgendwann einmal lüften.

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